Die Historische Bedeutung von Schönholz und sein kulturelles Erbe

Schönholz, ein kleiner Ortsteil im Bezirk Pankow von Berlin, birgt eine reiche Geschichte, die eng mit der preußischen Königin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern verbunden ist. Dieser Beitrag beleuchtet die historische Entwicklung von Schönholz, beginnend mit seiner Gründung durch die Königin bis hin zu seiner Rolle als beliebtes Ausflugsziel im 19. Jahrhundert.

Die Königin und Schönholz

Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern ist eine zentrale Figur in der Geschichte von Schönholz. Als ungeliebte Gattin von Friedrich II. verbrachte sie ihre Sommer häufig im Schloss Schönhausen, das nur einen Steinwurf von Schönholz entfernt liegt. Trotz ihrer isolierten Position am preußischen Hof, hinterließ Elisabeth Christine bedeutsame Spuren in der Region. Im Jahr 1752 erwarb sie Land in Schönholz und legte dort eine Maulbeerplantage an – ein ehrgeiziges Projekt, das die Seidenraupenzucht in Preußen voranbringen sollte.

Die Gründung von Schönholz

Unter Elisabeth Christines Ägide wurde Schönholz als Kolonie gegründet. Sie lockte Handwerker, insbesondere Leineweber und Tuchmacher aus Böhmen, die in der neu entstandenen Kolonie eine neue Heimat fanden. Die Königin sorgte auch für das Bildungswesen, indem sie eine Schule für die Kinder der Siedler errichten ließ. Die Kolonie, die anfänglich für ihre Maulbeerplantage bekannt war, erhielt schließlich 1791 offiziell den Namen Schönholz.

Das „Alte Schloss“ und die Schützengilde

Das „Alte Schloss“ in Schönholz, ursprünglich Teil der königlichen Besitzungen, erlebte mehrere Wandlungen. Nachdem die Maulbeerplantage nicht den erhofften Erfolg brachte, ging das Anwesen in private Hände über und diente zeitweise als Bildungseinrichtung. Später wurde es zum Zentrum der lokalen Schützengilde, die das Schloss umgestaltete und zu einem Schießplatz umfunktionierte. Dies markierte den Beginn einer neuen Ära für Schönholz, in der das Schießwesen und gesellschaftliche Veranstaltungen eine zentrale Rolle spielten.

Schönholz als Ausflugsziel

Die Schönholzer Heide, nahe dem „Alten Schloss“, entwickelte sich zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Berliner Bevölkerung. Die vielen Ausflugslokale wie „Kastanienwäldchen“, „Thiemannfestsäle“ und „Schützengarten“ lockten Besucher aus nah und fern. Alte Ansichtskarten zeugen noch heute von der einstigen Attraktivität Schönholz‘ als Ort der Erholung und des Vergnügens.

Sport und Erholung in Schönholz

Neben seiner Bedeutung als Ausflugsziel wurde Schönholz auch zu einem wichtigen Standort für sportliche Aktivitäten. Sportvereine, darunter der Akademische Turnverein und der Verein für Bewegungsspiele, fanden hier ihre Heimat. Das Angebot wurde durch Tennisplätze und eine Schießanlage ergänzt. Zudem erkannte das Rote Kreuz von Berlin das Potential der Schönholzer Heide für die Erholung und richtete eine Walderholungsstätte ein, um bedürftigen Familien Erholung und Linderung ihrer gesundheitlichen Beschwerden zu ermöglichen.

Der Kampf um den Erhalt der Heide

Am Ende des 19. Jahrhunderts stand die Schönholzer Heide vor einer radikalen Veränderung. Der preußische Forstfiskus plante, inmitten des Baubooms der Gründerzeit das Waldgebiet zu roden und für die Bebauung aufzuteilen. Doch die Bevölkerung hatte andere Vorstellungen für diese grüne Lunge Pankows. Ein entscheidender Akteur in der Rettung der Heide war der damalige Bürgermeister Wilhelm Kuhr, der bereits Erfahrung in solchen Belangen hatte, wie die Umwandlung des Killisch von Horn Parks zum Bürgerpark zeigt.

Es bildete sich der Verein „Rettet die Heide“, und zusammen mit dem engagierten Bürgermeister gelang es, das Areal zu schützen und für die Allgemeinheit zu erhalten. Die Schönholzer Heide blieb dadurch in ihrer natürlichen Form bestehen und wurde später vom Stadtbezirk Pankow übernommen und zum Volkspark Schönholzer Heide umgestaltet.

Badefreuden und gesellschaftliche Debatten

Die Panke war einst ein beliebter Ort für Badende und bot mit ihren Liegewiesen und Stränden Erholung für die Anwohner. Ihre Einweihung im Jahr 1923 zog viele Besucher an, die das kühle Nass genossen. Doch die Nähe zum Friedhof III. sorgte für Spannungen zwischen Trauernden und Badegästen. Zudem führte die Verschmutzung des Flusses dazu, dass der Badebetrieb nicht lange aufrechterhalten werden konnte und die Strände bereits nach vier Jahren geschlossen werden mussten.

Nicht lange danach entstand im westlichen Teil des Parks ein Planschbecken mit Sandspielplatz und Brunnenhäuschen, das bis in die 60er Jahre hinein für Freude bei den jüngsten Pankower Bewohnern sorgte. Heute steht an dieser Stelle ein großer Spielplatz, der zum Verweilen und Spielen einlädt.

Winterfreuden und die Ankunft des Lunaparks

Das Jahr 1927 brachte ein weiteres Highlight in die Schönholzer Heide: Eine Rodelbahn auf einem künstlich angelegten Hügel. Der Sand für dieses Projekt stammte aus dem Aushub des Berliner U-Bahnbaus. Doch nicht nur im Winter konnte man hier Spaß haben, denn schon bald zog ein Ableger des berühmten Berliner Lunaparks nach Schönholz um und brachte Vergnügen für Jung und Alt.

Ein Vergnügungsparadies entsteht

Mit dem Lunapark und den dazugehörigen Restaurationsbetrieben wie dem Schloss Schönholz, den Rheinlandsälen und dem Restaurant „Oberbayern“ entwickelte sich Schönholz zu einem Unterhaltungszentrum. Die Vielfalt reichte von einem großen Biergarten über eine Konzerthalle für saisonale Konzerte bis hin zu einem Tanzpavillon, Varieté und der Traumstadt Liliput. Jeden Mittwoch lockten die Militärkonzerte und das Spektakel „Schönholz in Flammen“ mit einem großen Feuerwerk die Besucher an.

Aufblühende Natur und Kultur

Ab 1934 wandelte sich das einst teilweise sandige Gebiet durch die Bepflanzung und Pflege von sogenannten Arbeitsverpflichteten zu einem grünen Erholungsort. Heute ist die Schönholzer Heide ein geschätzter Volkspark, der nicht nur Erinnerungen an seine bewegte Vergangenheit bewahrt, sondern auch Raum für Erholung und Freizeitaktivitäten inmitten der Hauptstadt bietet.

Die Schönholzer Heide ist ein Beispiel dafür, wie Bürgerinitiative und engagierte Verwaltung Hand in Hand arbeiten können, um Natur und Freizeitwert einer urbanen Umgebung zu erhalten und zu verbessern. Sie lädt ein, ihre Geschichte zu erkunden und ihre gegenwärtige Schönheit zu genießen.

Historischer Wandel vom Vergnügungsort zum Gedenkstätte

Schönholz, einst ein pulsierender Vergnügungsort im Norden Berlins, hat im Laufe der Jahrzehnte eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Von den goldenen Zeiten der 1920er Jahre über die dunklen Kapitel des Zweiten Weltkriegs bis hin zur heutigen Nutzung als Ort der Entspannung und des Gedenkens – die Geschichte Schönholz‘ ist so vielfältig wie bewegend. Dieser Blogpost nimmt Sie mit auf eine Reise durch die Zeit und zeigt auf, wie sich das Gebiet gewandelt hat.

Das Ende eines Vergnügungsortes und der Beginn des Krieges

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs endete die unbeschwerte Ära in der Schönholzer Heide abrupt. Die Schützengilde von 1433, die seit Jahrhunderten Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Berlin war, musste einen drastischen Mitgliederschwund hinnehmen. Viele ihrer Mitglieder wurden an die Front gerufen, und die Allgemeinen Richtlinien für die Schießausbildung der Bevölkerung von 1939 führten dazu, dass die Schützen ihre Anlagen für militärische Zwecke freigeben mussten. Die Weigerung, sich den Vorgaben des NS-Reichsschutzbundes zu unterwerfen, verstärkte den Niedergang der Gilde. Das letzte Vogelkönigsschießen im Jahr 1942 markierte das vorläufige Ende einer langen Tradition.

Die Schönholzer Heide im Krieg – Zwangsarbeit und Bombenopfer

Während des Krieges wandelte sich das Gebiet drastisch. Das Gelände des ehemaligen Vergnügungsparks wurde zu einem Zwangsarbeiterlager umfunktioniert, das zweitgrößte seiner Art in Berlin. Ausländische Zwangsarbeiter waren hier untergebracht und mussten in nahegelegenen Waffen- und Munitionsfabriken arbeiten. Der Park- und Waldfriedhof Schönholz wurde zu einem Ort des Gedenkens für die Opfer von Bombenangriffen, darunter auch Zwangsarbeiter.

Das Sowjetische Ehrenmal in der Schönholzer Heide

Ein besonderer Ort des Gedenkens ist das Sowjetische Ehrenmal, errichtet zum Andenken an die über 13.000 Soldaten der Roten Armee, die in den letzten Kriegsmonaten in Berlin fielen. Der imposante Obelisk und die ergreifende Bronzeplastik „Mutter Erde“ zeugen von der Opferbereitschaft und dem Leid des Krieges. Dieses Ehrenmal unterstreicht die Bedeutung der Schönholzer Heide als Ort der Erinnerung und Mahnung.

Neuanfang und Kultur in der Nachkriegszeit

Nach dem Krieg versuchten die Verantwortlichen in Pankow, an die Vergnügungstradition der 1920er Jahre anzuknüpfen. Mit dem Bau des „Heide Theaters“ im Jahr 1956 sollte die Kultur wiederbelebt werden. Bis zum Bau der Berliner Mauer wurden hier verschiedene kulturelle Veranstaltungen dargeboten. Danach wurde das Gelände sich selbst und der Natur überlassen.

Die Schützengilde – ein Stück Kontinuität in Schönholz

Trotz aller Veränderungen und Herausforderungen blieb der Schützenverein der Schönholzer Heide dem Ort treu und unterhält dort bis heute seinen Sitz. Als ältestes Schützenhaus Berlins dient es verschiedenen Schützenvereinen als Vereinshaus und erinnert an die Traditionen, die einst das Leben in Schönholz prägten.

Die Schönholzer Heide heute – Ein Ort der Entspannung und des Gedenkens

Heute ist die Schönholzer Heide ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Erholungssuchende. Im Winter lockt der Rodelberg, während das ganze Jahr über die Wege durch die Heide zum Verweilen und Nachdenken einladen. Am nördlichsten Ende befindet sich das Sowjetische Ehrenmal, das einen würdigen Abschluss eines Spaziergangs durch das historisch bedeutende Gebiet bildet.

Die Schönholzer Heide spiegelt die bewegte Geschichte Berlins wider. Vom Vergnügungsort zur Gedenkstätte hat sich das Gebiet stets gewandelt und doch seine Bedeutung bewahrt. Es lädt Besucher ein, sich zu erinnern, zu lernen und eine friedliche Zeit inmitten der Stadtgeschichte zu genießen.